19.06. Gärtnertagebuch
In der vergangenen Sitzung hat die Hitze den kompletten Raum
eingenommen. Das schwüle Wetter und heißen Sonnenstrahlen brutzelten unsere
Köpfe. Darum blieben wir nicht lange im Raum, und gingen relativ schnell in
unseren Campusgarten hinter dem Gebäude, wo uns die großen Kirschbäume Schatten
schenkten.
Doch zu den Draußen-Aufgaben später mehr. Zunächst war die Podcast-Folge,
die wir zur Vorbereitung hören sollten, unser Diskussionspunkt.
Diese ist eine Einführung in die „multispecies Anthropology“.
Ein Fachbereich, der den Menschen nicht getrennt von der Natur betrachtet. Sondern
zwischen Menschen Tieren und Pflanzen ein komplexes Netzwerk sieht. Devos veranschaulicht
dies mit ihrer ethnografischen Forschung aus Tansania und diskutiert über den
Begriff „kiasil“ („natural“)
Anschließend wollen selbst einen neuen Zugang zur Natur
finden. Der Aufgabe entsprechend, hat sich jede:r einen Zettel und Stift zur
Handgenommen und sucht sich ein Lebewesen (Pflanze oder Tier) aus, das er/sie
zeichnen wird. Das Malen von Pflanzen eröffnet eine neue, achtsame Art der
Wahrnehmung. Durch die genaue Beobachtung werden selbst kleinste Details
sichtbar und die Schönheit der Natur tritt auf besondere Weise hervor. Ähnlich
wie bei einer teilnehmenden Beobachtung entsteht dabei eine intensive
Verbindung zum Gegenüber.
Kommentare (4)
Hey, also ich fand die Diskussion um die Podcast Folge super spannend. Ich finde es sehr wichtig, dass das Einmischen des Menschen in der Natur hinterfragt wird und wir von unserer menschenzentrierten Perspektive ab und zu wegtreten. Es ging ja auch bei dem Begriff “Kiasili” darum das “natürliche” zu betonen und das künstlich konstruierte zu hinterfragen. Bei solchen Diskussionen habe ich immer Sorge, dass das Thema in eine spirituelle, esoterische Richtung einschlägt. Ich find daher super toll, dass die Forschungsergebnisse Einblicke in andere Lebensrealitäten bieten.
Hey, ich fand es sehr spannend, dass du meintest. dass die Hitze den kompletten Raum in der Sitzung eingenommen hat. Das fand ich definitiv auch und mir geht gefühlt schon die ganze Woche so, dass die Hitze einen großen teil meines Lebens und das was ich machen (kann) einnimmt. Ich finde es spannend, wie sehr wir von solchen Umwelteinflüssen beinflusst werden und wie z.B. Bildungseinrichtungen darauf reagieren. Das ist etwas, worauf wir uns wohl in den nächsten Jahren zunehmen einstellen müssen.
Mir gefiel die kreative Aufgabe im Garten richtig gut. Ich habe einen der Bäume skizziert unter denen wir saßen und konnte mich vollkommen entspannen. Ich fing an den Baum nicht nur als eine große Einheit zu sehen, sondern mich auf seine Einzelteile zu fokussieren. Die genauere Auseinandersetzung mit der Natur um uns herum finde ich unglaublich wichtig, insbesondere sich auch Zeit zu nehmen die Umwelt auf sich wirken zu lassen und nicht nur bloß in ihr zu existieren. Mir gefiel die Aufgabe so gut, dass sie mich zu einem Kunstprojekt inspiriert hat, an dem ich ebenfalls viel Spaß gefunden habe.
Ich fand die Podcastfolge sehr interessant und man konnte gut zuhören, weil die Stimme sehr angenehm war. Spannend fand ich auch den Einsatz von Elefanten beim "Bau" von Wegen - zählt das schon als more-than-human-Architektur? Die Aufgabe im Garten als teilnehmende Beobachtung zu betiteln finde ich auf jeden Fall passend und die Ergebnisse sind echt gut geworden! Ich habe als Objekt Moos ausgewählt und dann aber schnell festgestellt, dass es für mich schwierig wird, dies zu zeichnen. Ich habe dann stattdessen ein bisschen Moos auf meinen Zettel raufgeklebt und Notizen daneben geschrieben.