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Emmas Gartentagebuch (Woche 2)

4 Min. Lesezeit ELEmma Leicht (sie/ihr)

Heute haben wir uns direkt an der Haltestelle Riensberg kurz vor der Uni getroffen, um uns das Gelände von “Kinder Wald und Wiese” anzuschauen. Auch heute habe ich mich wieder ein bisschen wie auf einem Schulausflug gefühlt. Es ist wie die letzten Tage ziemlich warm, so 17 Grad. Ein Ortswechsel, vor allem wenn er von drinnen nach draußen stattfindet, tut gut. Ich merke am Ende, dass sich die Zeit anders angefühlt hat, als wenn man diese 4h in einem Seminarraum verbringt. 

Das Gelände ist viel größer als ich es mir vorher vorgestellt habe. Ben nimmt uns in Empfang. Er kennt den Ort durch seine Tochter, die sich hier auch engagiert, er selbst tut es seit ca. 4 Jahren. “Kinder Wald und Wiese” existiert aber bereits seit ca. 20 Jahren.

Ben gibt uns einen Rundgang, ab und zu bleiben wir stehen. Dann erzählt er uns viel über die Geschichte, die Möglichkeiten oder auch Menschen, die den Ort nutzen. 

Es gibt viel zu sehen: Abschnitte, die seit Jahrzehnten unberührt sind, verschiedene Wege, sehr viele Brombeeren (aus Rumänien), die hier, wie wir bereits letzte Woche auf dem Campus festgestellt haben, invasiv sind. Auch einige Ziegen und Pferde leben auf dem Gelände, besonders die Ziegen sind sehr an uns interessiert. Man erkennt schnell, dass diesen Ort auch Kinder besuchen, es gibt eine Rutsche, Holzpferde und anderes zum Spielen. 

Wirklich viel gibt es über diesen Ort zu erzählen, Ben spricht von Menschen, die hier gelebt haben, einen Biologiedozenten, der hier mit seinen Studierenden mal geforscht hat und von der Natur begeistert war, aber auch von dem Problem der Gefährdung dieses Geländes durch potenzielle Pläne der Bebauung. “So viele Arbeitsplätze verschwenden nur wegen ein paar Pferden?” zitieren Esther und Ben. Schnell wird aber klar, dass der Ort eine viel vielfältigere und menschenbezogenere Bedeutung hat. 

Die vielen Eindrücke lassen sich gar nicht so richtig durch Worte einfangen. Jemand sagt am Ende, als wir wieder im Seminarraum sind, dass man wenig merkt, dass man sich so nah an der Uni befindet. Ohne die Bahnen, die ab und zu vorbeifahren, könnte man denken, man sei in irgendeinem Dorf. Und dem würde ich zustimmen, es ist wirklich ganz anders. Man erwartet so etwas nicht. 

Ich bin erstaunt, dass so wenige diesen Ort zu kennen scheinen, aber finde es schön, dass er eigentlich für jeden besuchbar und offen ist. Dass die Menschen, die ihn so gut kennen, sich genau das sogar wünschen. Es überrascht mich, dass man einfach so vorbeikommen könnte. Ein so grüner, schöner Ort, der frei zugänglich ist, wirkt selten. Ich frage mich direkt instinktiv “Wo ist das Haken? Was muss ich dafür tun?” Wie andere feststellen existieren oft Zugangsbeschränkungen, wie dass man zum Beispiel etwas zu trinken oder zu essen kaufen muss, oder, dass man Flächen, wie im Bürgerpark nicht nutzen, nicht betreten darf. Wie schade eigentlich, dass wir so sehr daran gewöhnt sind, dass eher der Gegensatz auffällig ist. 

Wir tauschen uns nach einer Pause über Ideen aus, die man dort umsetzen könnte: Einen Social Media-Account, einen Barfußpfad, Sommerfeste, Kunst, Schilder, Flohmärkte, Büchertausch, eine Zeitkapsel, eine Getränke-”Bar” auf Spendenbasis. Sooo viele Ideen. Wie Oliver treffend sagt, tut es gut, von Ben einfach nur zu hören “Ja klar”. Er ist offen für Ideen. Auf dem Campus hört man oft eher ein “Ja, aber…” nachdem man seine Ideen geteilt hat. Man kann auf dem Gelände von “Kinder Wald und Wiese” wirklich vieles umsetzen, viel freier denken und kreativ sein. 

In einer kurzen “Reflexionsrunde” am Ende werden einige Dinge angesprochen, die ich interessant finde: Wie misst man den Wert eines Ortes? Wie viel wiegen dabei Erinnerungen, die man mit anderen oder dem Ort teilt? Wem kann Land eigentlich wirklich gehören? Warum kann Land überhaupt besessen werden? Esther weist darauf hin, dass der Streit um diese Fläche auf der Mikroebene eigentlich ziemlich repräsentativ für Konflikte in unserer heutigen Zeit auf der Makroebene ist. 


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