Universität Bremen
Campusgärtnern
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Emmas Gartentagebuch (Woche 1)

3 Min. Lesezeit ELEmma Leicht (sie/ihr)

Heute war das allererste Mal Campusgärtnern. Ich stelle direkt, als ich den Raum betrete, überraschend fest, dass ich nicht allzu viele Personen kenne. Oliver und Esther geben am Anfang erstmal einen kleinen Einstieg in das Thema, ihre Motivation und, dass dieses Seminar etwas besonderes ist. Die beiden haben ihr Konzept vor einigen Wochen vorgestellt und ein Preisgeld gewonnen, nachdem sie sich sehr viel über mögliche Ideen ausgetauscht haben. 

Wir beginnen dann damit, uns in Gruppen aufzuteilen: Gartenarbeit, ethnografische Interviews mit den Teilnehmenden führen, den Campus nach Flächen untersuchen und Pflanzen und Tiere identifizieren und dokumentieren. Ich bin in letzterer Gruppe, zusammen mit meiner Freundin Juli. Mich erinnert diese Aufgabe auf sehr nostalgische Weise an den Unterricht in der Schule. Ich unterhalte mich auch im Verlauf mit einigen darüber, wie sehr man früher dafür “gekämpft” hat, bei schönem Wetter doch draußen Unterricht machen zu dürfen. Dann wirklich rauszugehen war selten und etwas besonderes. Und auch jetzt ist ein Seminar wie das Campusgärtnern etwas besonderes, etwas wofür mein jüngeres Ich mich ganz sicher beneidet hätte: “Das machst du im Studium?!” Es lässt mich wieder zurückblicken zu meinen wenigen Erfahrungen im Gärtnern, aber auch zu einem Gefühl der Natur, das früher irgendwie anders war. Ich denke an den Waldkindergarten, sehr kreative Spiele, Dinge zu bauen, Schulgärten, kleine Frühlingsrituale mit Freundinnen… Und ich freue mich sehr über diese Erinnerungen, die ich nicht vergessen möchte. Umso mehr bin ich froh, dass ich aktiv an sie erinnert werde, dass sie wichtig sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Seminar für mich einen wirklich schönen Ausgleich schafft und meinen Blick für Natur, Grün und Leben auf dem Campus, aber auch generell in der Stadt definitiv verändern und wieder stärken wird.

Wir laden uns zur Dokumentation zwei Apps runter : “Merlin” (für die Identifikation von Vögeln), die ich im Nachhinein nicht benutzt habe, weil ich nur ein, zwei Tauben gesehen habe, und “Flora Incognita”, eine Pflanzenbestimmungs-App. Wir beginnen in unserer kleineren Gruppe bei den “Wilden Wiesen” am SFG, wo bereits Schilder stehen, die darüber informieren, dass dort nicht mehr gemäht wird, um unter anderem Insektensterben zu verhindern. So oft bin ich schon an ihnen vorbeigelaufen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Es ist schön, dass man auf bereits bestehende Projekte trifft. Während ich nach Pflanzen suche, bin ich sehr überrascht darüber, wie viele ich finde, obwohl der Frühling in meinen Augen erst langsam so richtig beginnt. Wiederum enttäuscht bin ich davon, wie wenig ich über Pflanzen, Bäume und Tiere weiß. Wir unterhalten uns über invasive Arten und bewundere andere dafür, dass sie durchaus einiges darüber wissen. Trotzdem denke ich darüber nach, dass wir, obwohl wir als Lebewesen ja ein Teil der Natur, dafür gesorgt haben, dass wir uns so stark davon abgegrenzt fühlen. Dass wir davon sprechen aktiv und bewusst in die Natur zu gehen, zeigt wie sehr wir sie verdrängt haben.

Und auch, dass meiner Einschätzung nach so etwas wie Campusgärtnern unüblich, vielleicht sogar komisch, unnötig und als wenig relevant angesehen wird, spiegelt das wider. Ich merke, dass ich Leistungen auf eine bestimmte Art definiere, weil ich es von früh an immer so gelernt habe. Meine erste Reaktion, als ich den Titel des Seminars lese, zeigt genau das: Ich musste vielleicht ein wenig schmunzeln und habe es nicht ganz ernst genommen. Ich vermute, dass mir diese Distanz zur Natur und der Blick auf das Lernen im Laufe des Seminars noch viel bewusster werden wird. Und darauf freue ich mich sehr. Auch in dem Miteinander sehe ich sehr viel Potenzial, auf das ich gespannt bin und das sich sehr wahrscheinlich von meinen bisherigen Studien-Erfahrungen unterscheidet.


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