Erste Sitzungen - Insa Wienbeuker
Am 10. April fand unsere erste Sitzung statt. Zuerst trafen wir uns im Seminarraum und besprachen die grundlegende Idee des Seminars. Von den Dozenten wurde die Offenheit des Seminars stets betont und die Möglichkeit für die Studierenden, ihre eigenen Ideen aktiv einzubringen. Das offene Arbeitskonzept gefiel mir sehr gut und ich bin sehr gespannt auf den weiteren Verlauf des Seminars. Wir teilten uns dann zunächst in vier Gruppen auf; eine sollte die Insekten auf dem Campus identifizieren, eine den Campus erkunden um neue potenzielle Gärten zu identifizieren, eine die bereits mit dem Gärtnern begann und eine letzte die Interviews mit allen Teilnehmer*innen durchführen sollte. Ich schloss mich der Gruppe an, die den Campus auf potenzielle neue Gärten erkundete. Innerhalb der Mapping Gruppe entschieden wir dann, wer in welche Richtung laufen würde, um mögliche Dopplungen zu vermeiden.
Das Erkunden des Campus und das Planen von potenziellen neuen Gärten hat mir großen Spaß bereitet. Wir sind an einigen Ecken des Campus vorbeigelaufen, an denen ich im bisherigen Verlauf meines Studiums noch nie gewesen bin. Uns fiel auf, dass es wirklich viel Potenzial gibt, den Campus noch mehr mit Pflanzen und schönen Grünflächen aufzuwerten. Auch fanden wir, dass es mehr Möglichkeiten geben sollte, Draußen gemütlich zu sitzen und zu entspannen. In wie weit wir neue Bänke und Mülleimer zusätzlich zu den Gärten planen können, war uns aber noch nicht bekannt. Durch die Aufgabe des Mapping ist mir deutlich bewusster geworden, worauf man beim Thema „Gärtnern“ alles achten kann und was alles möglich ist. Ebenfalls ertappte ich mich immer wieder dabei, das Uni Gelände kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. In der darauffolgenden Woche begleitete dieser hinterfragende Blick immer wieder meinen Uni Alltag.
Die abschließende Gesprächsrunde fand ich auch sehr spannend. Einige Teilnehmer*innen hatten wirklich tolle Ideen und hatten auch sehr interessantes Vorwissen zum Thema Gärtnern. Die Idee mit dem Pflanzen von Heilkräutern ist mir hierbei besonders im Gedächtnis geblieben.
Am 17. April fand unsere zweite Sitzung statt. Diesmal trafen wir uns bei der Haltestelle „Riensberg“ in der Nähe der Universität. Hier besuchten wir den „Kinder, Wald und Wiese Bremen e.V.“ der von Ben repräsentiert wurde. Er gab uns eine Tour von dem Grundstück und erzählte von den Anfängen der Wiese und den immer wiederkehrenden Konflikten und Bedrohungen. Zuvor war mir der Konfliktpunkt der Horner Spitze kein Begriff und ich fand es auf der einen Seite spannend, aber auch frustrierend zu hören, dass eine offene Wiese, ein so politisch umkämpftes Thema ist. Die hervorgehobene Doppelmoral der Politik, in der Innenstadt sich dafür einzusetzen, vereinzelte Bäume zu pflanzen, um mehr Grün in die Stadt zu bringen, während gleichzeitig noch erhaltene Grünflächen zerstört und bebaut werden sollen, ärgerte mich immens. Dieses Unverständnis und Verärgerung wuchs während des Aufenthalts auf der Wiese immer mehr. Der Ort fühlte sich wie ein Rückzugsort und eine Art Oase an. Ich dachte sofort, wie sehr ich es als Kind geliebt hätte, hier einen Ausflug zu machen und Zeit zu verbringen. Die Fläche fand ich wirklich sehr spannend, aufgrund der vielen Möglichkeiten die sie bietet. Die genannten Ideen, Schilder aufzustellen, eine Bücherkiste einzurichten oder die Social Media Präsenz auszuarbeiten gefielen mir wirklich gut.
Am 24. April fand unsere dritte Sitzung statt. An diesem Tag war ich leider krank, weshalb ich nicht zum Seminar kommen konnte. Als Vorbereitung für die Sitzung sollten wir den Text von dem französischen Anthropologen Bruno Latour lesen, der ein Forschungsteam im Urwald am Amazonas begleitet hat. Teil des Teams waren die Botanikerin Edileusa Setta-Silva, der Pedologe Armand Chauvel und die Geographin Héloïsa Filizola. Eine Passage im Text die mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die über den Morgen vor der Abfahrt, wo die Forscher*innen vor einer Karte stehen und ihr Gebiet „erfassen“. Vor allem der Vergleich mit dem Restaurant Inhaber, der ohne die Nummerierung seiner Tische ebenfalls den Überblick über sein Restaurant verlieren würde, fand ich besonders eindrucksvoll. Die Arbeit von einem Forschungsteam wirkt häufig auf Außenstehende sehr mysteriös und komplex, weshalb ich den Vergleich zum Restaurant Inhaber sehr nahbar und auch humorvoll fand. Ebenfalls faszinierend war für mich das von Latour beschriebene Konstrukt der Wissenschaft als zugleich unmittelbar und vermittelt, nah und fern, als auch realistisch als auch konstruiert.
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