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Julis Gartentagebuch Woche 1

3 Min. Lesezeit JMJulia Maass (sie/ihr)

Liebes Gartentagebuch,

zu Beginn der heutigen Sitzung hat Oliver begeistert davon geschwärmt, dass er sich sehr freut, endlich einen langen Traum zu verwirklichen: das “Campus-Gärtnern”-Projekt gemeinsam mit anderen Menschen, die sich fürs Gärtnern interessieren, an der Uni Bremen umzusetzen. Ehrlicherweise habe ich mich dabei noch nicht so richtig angesprochen gefühlt. Ich hatte zwar das große Privileg, in einem Haus mit Garten aufzuwachsen, aber dennoch nicht allzu viel Erfahrung im Gärtnern. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich damit sogar teilweise negative Gefühle verbunden, weil ich oft gerade dann im Garten zugange war, wenn etwas repariert oder “Unkraut” gerupft werden musste. So hieß es oft: "Wir haben so viel Knöterich im Garten, lasst uns mal alle gemeinsam Knöterich zupfen”. Darauf hatte ich meistes sehr wenig Lust. Wenn ich ehrlich bin, habe ich tatsächlich auch nie ganz verstanden, warum man Unkraut zupfen muss und darüber häufiger Diskussionen mit meiner Mutter. Schließlich war ich der Meinung, dass es doch auch ganz nett aussehen würde und man der Natur einfach ihren freien Lauf lassen solle. Meine Mutter hat mich dann oft des Besseren belehrt… 

Mit der Teilnahme an diesem Seminar erhoffe ich mir also einen neuen Umgang mit und eine neue Perspektive auf das Thema der Gärtnerei. Ich muss sagen, dass ich mich schon nach dem einen Termin heute in dieser Hoffnung positiv gestärkt sehe. Ich freue mich, der Natur, die ich eigentlich sehr schätze, neu beziehungsweise bewusster zu begegnen. Ich war in der Gruppe, die über den Campus gelaufen ist und mit der Pflanzen-App “Flora Incognita” sowie der Vogel-App “Merlin Bird ID” verschiedene Pflanzen und Vögel dokumentiert hat. Das fand ich eine richtig schöne Beschäftigung! Ich habe Blumen, Sträucher und Bäume betrachtet, an denen ich wahrscheinlich schon hundertemale vorbeigelaufen bin, ohne sie aktiv zu sehen. Irgendwann waren wir in unser Gruppe  geradezu im “Flow” und konnten keine zwei Meter gehen, bevor wir wieder eine spannende oder neue Pflanze entdeckt haben und diese direkt fotografiert und identifiziert haben. Dabei ist mir aufgefallen, wie lustig die Namen der Pflanzen teilweise sind: die Kupfer-Felsenbirne, der Gewöhnliche Reiherschnabel oder die Purpurrote Taubnessel sind mir besonders im Kopf geblieben. Mit den Vögeln hat es sich leider etwas schwieriger gestaltet. Wenn ich mal an einen heranschleichen konnte, hat er mich doch entdeckt und ist davon geflogen, bevor ich mich näher mit ihm auseinander setzten konnte. Vielleicht haben wir da in den kommenden Sitzungen noch etwas mehr Glück. Nichtsdestotrotz hat es mir Spaß gemacht, nach den Vögeln Ausschau zu halten - sowohl mit den Augen, als auch mit den Ohren. 

Alles in Allem, habe ich auf jeden Fall das Gefühl, meine Wahrnehmung und mein Bewusstsein bezüglich der Natur auf unserem Campus bereits nach einer Sitzung stark erweitert zu haben. Nach meinen anfänglichen Unsicherheits-Gefühlen bezüglich des Themas habe ich mich also am Ende des Seminars euphorisch gefühlt und meine Neugier bezüglich des zukünftigen Programms wurde definitiv geweckt. Außerdem fand ich es sehr schön, nicht vier Stunden lang in einem Seminarraum zu sitzen und Frontalunterricht folgen zu müsse, sondern draußen in der Natur unterwegs zu sein und selbst aktiv werden zu können. Diese Praxisnähe und direkte Anwendungsmöglichkeit ist auch einer der Gründe, wieso ich dieses Seminar gewählt habe. Ich bin gespannt zu sehen, was noch kommen wird.

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